Philosophenweg_geschnitten.jpgDer Philosophenweg

Der Philosophenweg wird urkundlich bereits um 1790 das erste Mal erwähnt; gefunden im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden Nr. 330.8 von 1790, in der das Wegerecht zwischen Königstein und Kronberg über die "Helwigsheimer Wiesen" bestätigt wird.

Der Weg verlief ursprünglich von der Stadtmitte über den heutigen Sportplatz des Taunus-Gymnasiums, querte etwa bei den gelben Gasleitungen die B455 und verlief dann durchs Tal am Rentbach entlang nach Kronberg. Heute hat man vom Kreisel kommend die Wahl gleich unterhalb der Häuser in die Wiesen abzubiegen oder der B455 etwas weiter zu folgen und dann die Treppen an der Gasleitung zu benutzen. Da zwischen Stadtmitte und Zoo seit 1790 sehr viel gebaut wurde, mussten die Menschen ausweichen und andere Wege zum Philosophenweg suchen. Der eine verläuft über den Kreisel, wie oben erwähnt, der andere quert die Helbigshainer Wiesen etwa vom Tennisclub kommend. Ein weiterer Weg kommt aus dem Wohngebiet Kaltenborn und nutzt bis zum Philosophenweg den Kapuzinerpfad.

Dass der Philosophenweg auch heute immer noch genutzt wird, sieht man auch daran, dass alle drei Zuwegungen zum Philosophenweg, die jeweils ein Stück auch "Trampelpfad" sind und nicht befestigt sind, immer noch jedes Jahr neu "getrampelt" werden.

Der Opel-Zoo war ursprünglich nur unterhalb des Philosophenwegs beheimatet, oberhalb befanden sich Wiesen zur Mahd und auch Gehege für z.B. Rehe und Hirsche. Erst seitdem an der Bundesstraße das neue Kassenhaus und das Restaurant gebaut wurden, wurden diese Flächen mehr und mehr mit (exotischen) Tieren gefüllt und dem Zoobesucher gezielt zur Verfügung gestellt. Dazu wurden auch neue Wege zu diesen Gehegen gebaut, das Giraffenhaus entstand. Am Anfang dieser Entwicklung stand wohl das Nilpferd und das Affenhaus und andere Häuser, die mit Bedacht nur vom Philosophenweg aus zu betrachten sind. Auch damals machte man sich keine Gedanken über "Wild-Gucker", man nutzte das gleichwohl als Appetitmacher. Erst damit wurde der Philosophenweg sozusagen vom Opel-Zoo so richtig und sichtbar einverleibt. Wäre der Philosophenweg eine Straße oder eine Autobahn, würde kein Mensch darüber nachdenken, ihn dem Zoo zuschlagen zu wollen oder ihn gar überhaupt zum Betrachten der Tiere nutzen zu wollen.

Ein Exkurs zum Namen "Philosophenweg": Auch in Heidelberg existiert ein sehr berühmter Philosophenweg. In seiner Umgebung finden sich auch Häuser mehrerer Studentenverbindungen. Er befindet sich gegenüber dem Heidelberger Schloss auf der anderen Neckarseite auf halber Hanghöhe eines Südhangs. Beste Voraussetzungen für Sonne und Aussicht. Auf dem Philosophenweg wandelte, wer spazieren, nachdenken, die Sonne genießen und eine schöne Aussicht haben wollte, und nicht nur die Studenten.

Alle diese Vorzüge weist unser Philosophenweg auch auf und er war zusätzlich die Verbindung zwischen den Städten. Die Verbindung wird heute meist motorisiert bewerkstelligt, die anderen Attribute aber haben immer noch - und wenn nur beim Sonntagsspaziergang - ihre Gültigkeit. Der Scheibelbuschweg hat diese Attribute nicht, nicht mehr wie jeder andere x-beliebige Waldweg. Er hat nicht das, was den Philosophenweg zum Philosophenweg einst erst machte. Ein Nutzen, den der Zoo nun meint, den Menschen, den Bürgern absprechen zu können, indem er behauptet, die Vorzüge des Philosophenwegs würde vom Zoo kommen, dass also die Menschen deshalb zum Spazieren den Philosophenweg benutzen, da sie dort die Tiere betrachten könnten. Es ist aber auch so, dass manche Spaziergänger an sonnigen Sonntagen inzwischen den Philosophenweg meiden, weil es ihnen dort zu voll und zu laut ist, das ist keine Ruhe mehr, die man am Sonntag sucht. Beide Spaziergängergruppen (die Schaulustigen und die Erholungssuchenden) werden sich wohl die Waage halten.

Ganz unabhängig von diesen Überlegungen bleibt er nach wie vor die kürzeste und schnellste fußläufige Verbindung zwischen den beiden Städten. Würde man diese Verbindung zerstören - auch eine Verlängerung wäre eine Zerstörung, da die Attraktivität exponential mit der zunehmenden Entfernung sinkt - so wäre das auch nicht im Sinne des Naturschutzes, denn die Nutzer würden dann im schlimmsten Fall auf das Auto ausweichen, im besten Fall wäre es zwar der Bus - letztlich aber wieder mehr Abgase.

Wer einmal rund um Königstein und Kronberg zu Fuß unterwegs war, weiß, dass die Entfernung der Orte zueinander auf den Strecken beruht, die ein Mensch in etwa einer Stunde bewältigen kann, also etwa drei-vier Kilometer. Und nach diesem Muster sind die Orte miteinander vernetzt, z.B.:

  • Rettershof - Rote Mühle
  • Rote Mühle - Königstein
  • Königstein - Schneidhain
  • Königstein - Falkenstein
  • Falkenstein - Kronberg
  • Königstein - Kronberg
  • Kronberg - Altenhain
  • Altenhain - Schneidhain
  • usw. usf, die Liste lässt sich beliebig erweitern...