Maßnahmen zur Sanierung und Rettung der Bachlandschaften Woogtal und Höhenbach.

Nach Vorarbeiten von Gottfried Flugel, Karl Flamme und Gabriele Klempert

Ausgangslage

Das Woogtal und der Höhenbach sind Teil der historischen Kulturlandschaft Königsteins und damit im Sinne des Hessischen Denkmalschutzgesetzes ein unter Schutz stehender Raum. § 2. Begriffsbestimmung.

Woogtal

2004/2005 wurde das Woogtal grundlegend umgestaltet. Die dabei erfolgten Maßnahmen haben der historischen Bachlandschaft mehr Schaden zugefügt als Nutzen. Das eigentliche Ziel des damaligen Eingriffs sollte eigentlich die Entschlammung des Weihers sein. Diese und weitere Eingriffe erfolgten allerdings derart unsachgemäß, dass sich nicht nur der Weiher, sondern das gesamte Woogtal heute in einem noch schlechteren Zustand befindet als vor 2004.

Folgende Arbeiten sollten kurz- bis mittelfristig vorgenommen werden:

Gehwege

Bei einem Großteil der Gehwege sollten die talabwärts verlaufenden Kantensteine entfernt werden, damit das anfallende Wasser sich in die Wiesen verteilen kann. Gegebenenfalls sind dazu schmale Entwässerungsrinnen einzubringen. Die Steine könnten zur Sicherung der Bachufer Verwendung finden. Nach Durchführung dieser Maßnahme könnten die aufwendigen, damit kostenintensiven Arbeiten auf den Gehwegen zur Auffüllung der entstandenen Rinnen entfallen. Die Gehwege sollten (früher geschah das alljährlich ) mit frischem Kies bedeckt werden (Siehe auch Abschnitt 5. Weiher),

Zusatz: Flugel: Die Gehwege bestanden in den 1950er Jahren aus einer Packlage aus Steinen, die weit pflegeleichter war als der heutige Belag.

Bachlaufsicherung

Der gesamte Bachlauf ist an den Seiten mit Faschinen oder anderen geeigneten Maßnahmen zu sichern. Hierzu gibt es verschiedene Varianten. Bäume sollten nur in größeren Abständen bestehen, wobei Erlen und Weiden als „Kopfweiden“ infrage kommen, die in bestimmten Abständen gestutzt werden müssen. Der Bewuchs an den Seiten des Baches muss geeignet sein, dem Boden entlang des Bachlaufs Halt zu geben.

Darüber hinaus sollten einige besonders abschüssige Abschnitte des Bachgrundes mit einer Packlage aus Steinen gesichert werden.

Fließgeschwindigkeit

Die Fließgeschwindigkeit des Bachlaufes ist bei starkem Regen und intensiver Schneeschmelze zu hoch. Das hat zur Folge, dass das Wasser die Seitenbegrenzung des Baches zerstört und sich das Wasser in die Wiesen ausbreiten kann. Bei Niedrigwasser droht in diesem Fall Austrocknung. Die Fließgeschwindigkeit kann durch den Einbau von zum Teil mehrstufigen, niedrigen Kaskaden (Steintreppen) gemindert werden. Werden diese regelmäßig von Schwemmholz, Blättern und Sedimenten gereinigt, haben sie eine lange Lebenszeit.

Wiesenschutz

Um die Wiesen im Woogtal wieder in den Zustand „blühender Landschaft“ zu versetzen, sind Hunde an der Leine zu führen und das Radfahren ggf. zu untersagen. Die Wiese ist zweimal jährlich zu mähen (1 x Heu und 1 x Grummet) und das Mähgut zu entfernen. Die Rot-Ahornbäume (Wiese Ölmühlweg und St. Angela) sind zu entfernen, bzw. können an einen anderen Ort verbracht werden.

Zur Be- und Entwässerung der Wiesen hat es im Woogtal zumindest auf der nördlichen Seite Gewanngräben (historischer Begriff: Risseldohle) gegeben (Hans-Curt Köster) die sich als leichte Bodenwelle im Gelände abgezeichnet haben sollen. Dies wäre zu prüfen.

Das Woogtal als Klimareserve

Es sollte von Fachleuten geprüft werden, welche Bedeutung die Thermik des Woogtals und der anderen Bäche in Zusammenhang mit der Topographie Königsteins hat und ob diese Thermik, bzw. das „nebelfreie“ und „sonnige“ Mikroklima direkt oder indirekt zum Prädikat „Heilklimatischer Kurort“ beigetragen haben könnte.

Die Auswirkungen von Eingriffen in eine seit Jahrhunderten gewachsene Kulturlandschaft sollten untersucht werden. Darum ist unter anderem auch zu prüfen, welche Auswirkungen größerer Bäume im Wiesenbereich auf das Mikroklima haben. Die von Südwesten einströmenden, meist warmen Winde könnten sich in den Baumkronen fangen und damit das Mikroklima negativ beeinflussen. Mikroklimatische Auswirkungen von Wasserläufen auf das Mikroklima werden von der Forschung in jüngster Zeit wieder in den Blick genommen. In Oberursel läuft derzeit zu diesem Thema ein Forschungsprojekt der Universität Frankfurt.

Die Waldränder auf beiden Seiten des Woogtales sollten unterpflanzt werden, d.h. mit Brombeere, Himbeere, Geißblatt, Efeu, Flieder, Jasmin, Wildkirschen, Vogelbeere, Holunder und andere Gewächse. Die gesamte Wiesenfläche muss wieder im Sinne der einstigen landwirtschaftlichen Nutzung gepflegt werden.

Zu prüfen ist ferner inwieweit Maßnahmen, die aufgrund der Verordnung der EU-Wasserrahmenrichtlinien zu erfolgen haben im Widerspruch zum Schutz von Königsteiner Denkmälern und/oder der historischen Kulturlandschaft stehen. (z. B. Prüfantrag an den Magistrat oder Auskunft einholen beim Landesdenkmalamt)

Aufnahmen von Gottfried Flugel (Kaskaden und Wehranlagen wurden in der Gemeinde Mittental aufgenommen.

Einzelmaßnahmen

Abschnitt 1

Unterhalb Zusammenfluss von Rombach und Woogbach nahe des neuen Fußgängersteges zur Bahnunterführung. Hier müssten eine oder zwei Staumauern mit geringem Wasserdurchfluss eingebaut werden (Bild 1). Bei starkem Unwetter und Schneeschmelze ist das Gefälle zu stark. Darüber hinaus entstünden mehr Lebensaum und Ruhezonen für Forellen und andere Tiere, was im jetzigen Zustand nicht gegeben ist. Die seitlichen Böschungen sollten mit Faschinen gesichert und mit Steinen und Erde hinterfüllt werden. Der eigentliche Bachlauf sollte ca. 2,50 Meter betragen und die Uferzone hinter den Faschinen leicht ansteigen. (Bild II). Bäume dürften an dieser Stelle nicht stehen. Zur Sicherung der Böschung sind lediglich Schilf, Grünbewuchs und Weidenbüsche geeignet.

Eventuell einzubauende Wasserbausteine sollten dem hier vorkommenden Gestein ähnlich sein.

Abschnitt 2

Oberhalb Zusammenfluss Rombach und Woogbach, Abfluss Wasserrad. Hier sollte das Bachbett eine Breite von ca. 2 Metern haben. Die Uferzonen sind mit Faschinen zu sichern. In das Bachbett müssen an dieser Stelle mehrere Querriegel aus Natursteinen, Kaskaden ähnlich eingebaut werden. Diese tragen dazu bei, dass bei starkem Wasseraufkommen die Fließgeschwindigkeit gebremst wird und auch bei wenig Wasser Ruhezonen entstehen.

Abschnitt 3

Abfluss Wasserrad zum Woogbach.

Das Wasserrad und die Zulaufrinne müssen saniert werden. Zwischen dem Ablauf des Wasserrades, vom Zulauf des neu angelegten Wassergrabens bis zum Überlauf des Weihers sollte im unteren Bereich des Woogbaches das Bachbett mittels Wasserbausteinen auf eine Breite von 2 Metern zurückgebaut werden. Auch hier ist der Einbau von Kaskaden sinnvoll.

Abschnitt 4

Neuer Wassergraben 2004. An diesem Teilstück, unterhalb des Weihers parallel zum Weg müsste die Böschung talwärts mit Erde aufgefüllt, verdichtet und mit geeignetem Gras und Pflanzen gesichert werden.

Abschnitt 5

Der Weiher sollte im Herbst trocken gelegt und mit einem geeigneten Bagger mit breiten Ketten und auf Baggermatratzen stehend mittels einer Breitschaufel ohne Zähne „Gradall“ (?) ausgebaggert werden, dessen Betriebsstoff Rapsöl ist. Der ausgehobene Schlamm sollte getrocknet und der Kompostierung zugeführt werden. Die im Weiher angeschwemmten Sedimente aus dem Oberlauf. ca. 300 m3 Erde, Kies und Steine könnten seitlich an den stark ausgespülten Stellen abgelagert werden und nach dem Einbau von Faschinen und Steinwällen als Füllmaterial dienen.

Ein großer Teil der Bäume am Ufer des Weihers sollten gefällt werden, da sie zu viel Laub und Schatten erzeugen. Eine Wasserfontäne. gespeist mit Strom einer Photovoltaik-Anlage könnte darüber hinaus die Wasserqualität des Weihers verbessern. Die Böschungen müssen überarbeitet werden.

Es ist zu prüfen, ob der Weg nördlich des Weihers geschlossen werden sollte, er ist ohnehin immer nass und eine neuzeitliche Anlage. Dieser Bereich könnte bei einer Stilllegung der Tierwelt als Rückzugsraum dienen.

Abschnitt 6

Der Bachlauf zwischen den Weihern, d. h. dem Weiher und dem höher liegenden, zugeschwemmten kleineren Weiher sollte durch Faschinen und/oder Wasserbausteinen gesichert werden. Die im Bachlauf vorhandenen, willkürlich verlegten Basaltsteine könnten – wie auch das Sedimentmaterial des Weihers - zur Hinter-Füllung der seitlichen Sicherung dienen. Die Böschungen zur Wiese sollten flach angelegt sein und mit Schilf und Borstgras eingesät werden. Der Bachlauf sollte eine Breite von ca. 2 Meter nicht überschreiten. Im jetzigen, inzwischen wieder breit aus- und unterspültem Zustand des Bachbettes (Auskolkungen) verdunstet zu viel Wasser, was nicht zuletzt auch die Wasserqualität des Weihers belastet. Unmittelbar vor dem Einlauf in den Weiher sollte eine 3 bis 4 stufige Kaskade eingebaut werden.

Ein Teil der Bäume am Ufer des Baches sollte gefällt werden. Ein Kneipp-Tretbecken könnte hier angelegt werden, da man an dieser Stelle frisches fließendes Wasser zur Verfügung hat. Am Abzweig des neu angelegten Grabens und am seitlichen Abfluss ist eine Staumauer mit geringem Wasserdurchfluss sinnvoll, der regelbar sein sollte.

Abschnitt 7

Der verlandete kleine Weiher kann bleiben wie er ist, jedoch sollten die meisten Bäume und das Gestrüpp entfernt und die anschließende Fläche mit Schilf und Röhricht bepflanzt werden. Hierdurch entsteht ein kleines Biotop, in dem Wasservögel heimisch werden könnten. Die beiden Wassergräben links und rechts sollten so bleiben, allerdings müssten alljährlich im Herbst von Hand überarbeitet werden, etwa entstehende Ausschwemmungen am Ufer mit Faschinen und eventuell mit Steinen gesichert werden.

Abschnitt 8

Vom kleinen Weiher bachaufwärts bis zur nächsten Brücke muss ein Großteil der Bäume am Bach gefällt werden und das Ufer mit Faschinen und Steinen. Flach angelegte Böschungen sollten mit Schilf und Röhricht gesichert werden. Auf den stärkeren Gefällstrecken sind ggf. mehrstufige Kaskaden sinnvoll. Unterhalb der Brücke müssen die maroden Betonmauern rechts und links des Bachlaufs durch Wasserbausteine ersetzt werden.  

Abschnitt 9

Von der Brücke bachaufwärts in Richtung St. Ursula-Schule müssen die Ufer des Baches mit Faschinen, ggf. Kaskaden oder auch quer zum Wasserlauf eingebaute größere Wasserbausteine (ca. 40 cm) eingebaut werden, um die hier starke Strömung zu mildern. Auch in diesem Bereich sollten möglichst alle Bäume gefällt und die Ufer mit Kleinbewuchs befestigt werden. Unmittelbar an der Stelle, an der der Woogbach das Ursulinengelände in einem 90°-Bogen verlässt (hier ist früher der Höhenbach zugelaufen) ist in der Uferböschung zum Krankenhaus hin ein starker Abriss der Böschung zu sehen. Diese sollte zum Schutz spielender Kinder abgesichert werden. In diesem Bereich war früher die Sohle des Bachlaufes mit einer Packlage gesichert. Die Sohle des Teilstücks sollte überprüft und ggf. eine Packlage erhalten.

Abschnitt 10

Die Einzeldenkmale Pulverbrunnen und Freiheitsfelsen gelten als Denkmale. Der Pulverbrunnen muss renoviert und der Freiheitsfelsen freigeschnitten, die dazugehörige Treppe gereinigt und die Fugen ausgebessert werden.

Höhenbach

Erdmann 1991: Der mittelalterliche Königsteiner Höhenbach ist ein stadtkonstituierendes Element, sozusagen eine dingliche „Stadtgründungsurkunde“.

Der vermutlich im späten 13. oder Beginn 14. Jahrhundert von Zisterziensermönchen vom Kloster Arnsburg (Lich) erbaut, ist der historische Höhenbach ist die mittelalterliche Keimzelle Königsteins. Als wassertechnisches Bodendenkmal ist der Höhenbach, besonders wegen seiner nur noch zu Teilen erhaltenen Auftragsstrecke ein in Deutschland seltenes Bodendenkmal.

Die heute noch sichtbare Strecke verläuft von der Abzweigung am Reichenbach (Königstein Mühlweg) bis oberhalb vom Kurbad.

Das Gerinne weist mehrere Bruchstellen auf, so dass die Gefahr besteht, dass der Bach trocken fällt.

Anlässlich einer Besichtigung des Bachbettes mit dem Archäologen Dr. Udo Recker vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, Frau German-Störkel und Frau Großmann-Hofmann wurde festgestellt, dass zum Schutz des Höhenbaches ein Pflegewerk erstellt werden sollten.

Maßnahmen

  1.  Bestandsaufnahme (Fotos und Bodenbeschaffenheit / Pflegewerk)
  2. Die Bruchstellen müssen unter Berücksichtigung der historischen Gegebenheiten, d.h. in Abstimmung mit der Denkmalpflege geschlossen werden.
  3. Der Bach muss von Blattwerk und totem Geäst gesäubert werden.
  4. Einige Bäume an seinem Saum sind zu fällen, damit der Bach mehr Licht erhält.
  5. Abstimmung mit der Stadt und dem Landesdenkmalamt bzgl. der Durchführung zur Verordnungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien. (Denkmalpflege / Gewässerschutz)

Als aktuelle, vorbildliche Beispiele für bewahrende Bachlaufpflege sind folgende Personen zu Rate zu ziehen:

Dr. Lutz Dietrich Herbst Wasserbauhistoriker und Prof. Gerhard Fritz (Historiker) Projekt „Der stille Bach - Kloster Weingarten“

Zitat Deutschlandradio25. 8. 2011: Lutz Herbst: Dass die alte Wasserwirtschaft wesentlich mehr war, als nur eine Energiequelle wurde dabei übersehen. Erst seit wenigen Jahren besinnt man sich wieder auf den Nutzen, den Majestäten, Mönche und Müller über Jahrhunderte schufen. Dieses Netzwerk aus von Wasser geprägter Landschaft, von Handwerkertraditionen und Baudenkmälern, von Hochwasserschutz und Wasserkraftnutzung, samt Fischzucht hat das Land zwischen Donau und Bodensee so geprägt, dass es heute einen beschaulichen, Kultur betonenden Tourismus anzieht.

Kooperation bzw. Zusammenarbeit mit:

Denkmalpflege Verein / Magistrat der Stadt Königstein / Forstamt Königstein (Herr Behler-Sander) / Untere Naturschutzbehörde (Herr Kluge) / Landesdenkmalamt Hessen(Dr. Udo Recker - Frau Dr. Kniffler) / Universität Frankfurt (Mikroklima - Meteorologen Prof. Dr. Ahrens) / 1) Prof. Dr. Johannes Fried. Uni Frankfurt, Historisches Seminar? Aufsatz über karolingische Wasseranlagen… / Gottfried Flugel (Wassertechnik)/ Karl Flamme (Bewuchs) / Peter Hauck (Wiesenwirtschaft) / Schulen / Pfadfinder / Hochtaunuskreis, bzw. Taunus Tourismus Service Frau Pompe / Kulturfonds Rhein-Main / Regionalpark Rhein-Main / Klaus Bordes (Heimatverein - Topographiemodell) / Deutsche Stiftung Denkmalschutz – Kulturerbe macht Schule / DSDS Dr. Wilcken / BUND /

 

13. September 2011, Gabriele Klempert