Alte Häuser in Königstein

1. Teil

Immer wieder hören wir in Gesprächen mit Königsteiner Bürgern, dass man darüber klagt, wie viele schöne alte Häuser in Königstein in den letzten Jahren verschwunden seien, durch mehr oder weniger attraktive Neubauten ersetzt wurden oder langsam wegen mangelnder Pflege verfallen.

Die Kronberger Altstadt hingegen wird wegen ihrer vielen vorbildlich und aufwendig restaurierten Gebäude weithin gelobt und hat dadurch ein Juwel entwickelt, dass die Bewohner mit Stolz erfüllt und nicht nur von den Gästen der Stadt als sehr attraktiv empfunden wird. Dort ist auch eine sehr detaillierte Altstadtsatzung vorhanden, die mit Nachdruck umgesetzt wird.

In Königstein gibt es zwar auch einige gute Beispiele bewahrter historischer Bausubstanz, die aber bei weitem nicht genügen, um eine zeitgemäße Weiterentwicklung unserer Altstadt zu gewährleisten. Aufgrund dieser Tatsachen möchte die AG Kulturlandschaft Königstein-Kronberg e.V die Sensibilität und das Verständnis der Königsteiner Bürger für den Erhalt alter Häuser wecken und stärken. Dazu sollen den Lesern der Königsteiner Woche in regelmäßigen Abständen und in kleinen Beiträgen einzelne Objekte vorgestellt werden, die verschwunden oder verunstaltet wurden oder die gelungen sind.

HAUPT36-Alt-Klein.jpgHaupt36-Balken klein.jpgHauptstraße 36 Wendel klein.jpg

Zerstört: Das Haus Mendla, Hauptstraße 36 (obere zwei Fotos: H.-C. Köster, 1999, unteres Foto: H. Wendel, 2015)

Das einstige Fachwerkhaus, erbaut nach dem Stadtbrand von 1792 über einem altem Keller, wurde 1999 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Es wurde der gesamte Altbestand zerstört, auch die vermutlich spätmittelalterlichen Kellergewölbe. Eine Dokumentation des Altbestandes wurde leider nicht durchgeführt. In dem kleinen Laden, bei „Mendla“, kauften bis zur Schließung viele Bürger täglich ihre frische Milch. Der Neubau folgte nur sehr oberflächlich gesehen dem Aussehen seines Vorgängers: Zugunsten einer durchgehenden Dachrinne wurde aus dem Zwerchhaus eine Gaube. Dafür fehlen im Neubau die zwei kleineren Gauben links und rechts. Statt der alten, klassisch proportionierten sechs Fenster mit Klappläden sind es nun zehn in einem sehr gestreckt wirkenden Format, das durch die Einteilung der Öffnungsflügel ohne weitere Unterteilung noch viel schmaler und länger wirkt. Das Einsetzen eines durchgehenden Oberlichtes hätte den Fenstern etwas von ihrem fliehenden Erscheinungsbild genommen und ein traditionelles Fensterbild nachempfunden. Das deutliche Absetzen des Erdgeschosses hätte zusätzlich für „Bodenhaftung“ gesorgt und dem Gebäude etwas mehr „Ausstrahlung“ verleihen können. Es wirkt leider recht kühl, obwohl es in einer warmen Farbe angelegt wurde. Die Fassade wirkt durch die neuen Fenster/Fenstertüren in der Vertikale dreigeteilt. Damit ist die ursprünglich vorhandene horizontale Gliederung völlig „verdreht“ worden.

Kugelherrnstr-1996.jpgKugelherrn 1 Neu .jpgVerunstaltet: Das Alte Rathaus, Kugelherrnstraße 1 (Foto links: H.-C. Köster, 1996, rechts: E. John, 2002)

Der Umbau des „Alten Rathauses“ hat die gesamte bestehende Statik zerstört und das nur zugunsten des Einbaus einer Tür zum angrenzenden Gebäude. Ebenso wurde eine alte, kunsthistorisch bedeutsame Wendeltreppe zur Hälfte vernichtet. Diese Wendeltreppe war deswegen so besonders, weil sie im ersten Stock die Drehrichtung änderte. Außerdem ging eine barocke Holztür mitsamt Altan verloren.

Der gesamte Eindruck, die Qualität historischer Räumlichkeiten ging damit verloren. Zahlreiche Einwände des Denkmalamtes wurden dabei leider missachtet. Im heutigen, verglasten Eingangsbereich befand sich einst ein Waag-Raum. Der Raum („Mehlsack“ genannt) diente bis 1999/2000 als „Babbelstube“, als sozialer Treffpunkt. Hier erzählten regelmäßig ältere Königsteiner Bürger bei Apfelwein und Brezeln Geschichten und Begebenheiten zur historischen Kultur der Stadt. Die einst für das Gemeinwesen so wichtige Funktion des Raumes, das öffentliche Wiegen vor allem des Mehls, ist nicht einmal mehr zu erahnen. Das ist insofern besonders tragisch, da sämtliche Bauteile, die nun verloren sind, nicht hätten beseitigt werden müssen, da sie restaurierungsfähig bis einwandfrei waren. Das neue Glasfenster ist zwar schick, ersetzt aber keineswegs die historische Substanz. Zudem ist der architektonische Grundsatz der Ablesbarkeit von Funktionen grob verletzt worden. Es sieht modern aus, aber ist das ein Wert an sich?

Gerichtstr. 15 - 2013-Klein.jpgGerettet: Das Judenbad, Gerichtstraße 15 (Foto: G. Klempert, 2013)

Das kleine Haus wurde 1837 von der jüdischen Gemeinde Königsteins gekauft, als Winkelsynagoge genutzt und mit einem rituellen Tauchbad versehen. Ursprünglich diente das Gebäude am Ende des Höhenbaches, errichtet auf den Resten des ehemaligen Untertors, als Waschhaus. Seit 1901 ist es ein Wohnhaus und die einstige jüdische Nutzung geriet in der Zeit des Nationalsozialismus und auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Erst 1991/92 entdeckten und dokumentierten die jüdische Architektin Thea Altaras und der Stadthistoriker Wolfgang Erdmann in dem damals städtischen Gebäude das jüdische Tauchbad und Reste alter Wandmalereien, die die jüdische Nutzung belegten. 1994-1995 kam das Haus in privaten Besitz und wurde in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt grundlegend saniert.