Gemeinsam Denkmale erhalten

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„Gemeinsam Denkmale erhalten“ lautet das Motto des diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Grundlage für diesen Appell ist das Gesetz zum Schutze der Kulturdenkmäler (Denkmalschutzgesetz). In § 1 mit dem Stichwort „Aufgabe“ heißt es, die Kulturdenkmäler sind als Quellen und Zeugnisse menschlicher Geschichte und Entwicklung zu schützen und zu erhalten sowie darauf hinzuwirken, dass sie in die städtebauliche Entwicklung, Raumordnung und Landschaftspflege einbezogen werden. Bei der Erfüllung dieser Aufgaben arbeiten das Land, die Gemeinden sowie Eigentümer und Besitzer von Kulturdenkmälern zusammen. Es heißt: „zusammen“ und nicht „gegeneinander“.  Das bekannteste Denkmal Königsteins, unsere Burg ist eine Ruine. Auch wenn der Bau reichlich demoliert daher kommt, ist er dennoch ein Bau-Denkmal. Aber besonders als Ruine weckt dieser Bau bei vielen Besuchern romantische Gefühle. Da taucht das Leben im Mittelalter gern auf oder man erinnert sich an einst komplizierte Baumaßnahmen oder ehemals kunstvoll verzierte Gewände und großartige Säle. Spannend empfindet man auch die kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Festung, die vor dem geistigen Auge entstehen. Dabei bleiben jedoch die Qualen der Gefangenen, die nach der Napoleonischen Revolution in den Verliesen schmachteten, meist im Dunkel. Die berühmte Caroline Schlegel-Schelling, auch „Virtuosin der Freiheit“ genannt, wurde nach ihrer Freilassung lange Zeit geächtet und über die Jahre fast vergessen. Das haben weder Caroline Schlegel-Schelling, noch ihre Mithäftlinge verdient. 

Ihr Schicksal ist mit dem Gedächtnis an die Königsteiner Festungsruine eng verbunden. Es ist Teil der Burg und gilt denkmalpolitisch als immaterielles Gut dieses Denkmals. Es ist Teil unserer Geschichte, und nicht zuletzt auch Europäischer Geschichte, ebenso wie dies Dichter und Denker sind. Der Begriff, „Denkmal“ gilt also für Positives wie Negatives also auch für den Holocaust. „Denkmal“ bedeutet die Aufforderung historisch Bedeutsames zu bewahren. Insofern wäre es angemessen, den ehemaligen politischen Häftlingen und ihren damals noch vergeblichen Zielen nämlich Demokratie und Freiheit wenigstens eine Gedenktafel zu widmen.  Wenn das Motto der Denkmalpflege in diesem Jahr lautet: „Gemeinsam Denkmale erhalten“, dann fordert dieser Appell entsprechende Maßnahmen von den Bürgern und Besitzern öffentlicher wie auch privater Denkmale. Ein vorzügliches Beispiel engagierter, besonders auch privater Denkmalpflege gegen viele Widerstände zeigt die Sicherung des ehemaligen Judenbads, das viele Jahre nur als Waschhaus bekannt war. 

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Gemeinsam Denkmale erhalten kann nur gesellschaftlich solidarisch geschehen. Und weil das mitunter nicht billig zu haben ist, werden der Erhalt und die Sanierung von Denkmalen auch steuerlich begünstigt. Wer aber ein Denkmal kauft, um es anschließend unter fadenscheinigen Gründen verrotten oder abzureißen zu lassen, vergreift sich am gesellschaftlich relevanten und gesetzlich geschütztem Kulturgut. Moralisch ist das Raub und nicht einfach nur eine Ordnungswidrigkeit.   Einige Bürger in Königstein scheinen es immer noch nicht verstanden zu haben, dass der Erhalt von Denkmalen eine gesetzliche Verpflichtung bedeutet. Das gilt natürlich auch für Bodendenkmale wie den mittelalterlichen Höhenbach, der still vor sich hin modert.

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Das Denkmal Hauptstraße 37

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ist ein ganz besonderes Objekt, ein Fachwerkhaus mit Ursprung um das Jahr 1537. Das einzige der ersten Häuser, die nach der ersten Stadterweiterung errichtet wurden. Hinter dem Putz befindet sich noch gut erhalten die Baukunst unserer Vorfahren, die uns erzählt, wie geschickt sie ihre Häuser vor 500 Jahren planten. Entlang der Schräge des Hauses floss der ehemalige Höhenbach. Wird ein Denkmal abgerissen, nur weil man meint, etwas Neues wäre „schöner“ oder rechne sich besser, gehen uns die noch erfahrbaren Zeugen der Vergangenheit verloren. Ebenso wie die damit verbundenen Geschichten und Erfahrungen, alte Handwerkstechniken, alles Zeugnisse, die uns geprägt haben und unserer Identität ausmachen. 

Seit einiger Zeit steht das denkmalgeschützte Wohnhaus Berggasse 2  (BILD 6). zum Verkauf. Es entstand um 1700 und unter dem Putz befindet sich ebenfalls noch das alte Fachwerk. Gott sei Dank scheint es gepflegter als die Hauptstraße 37.

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Denkmale zu erhalten ist für eine Kommune und damit für die Bürger ökonomisch durchaus sinnvoll. Kein Tourist besucht eine Stadt, wo lauter nachgebaute Häuser stehen. Derlei Immobilien finden sich aber reichlich in der Königsteiner Hauptstraße. Ebenso negativ sind Manipulationen an Denkmalen. Ein Beispiel hierfür ist das alte Königsteiner Rathaus. Um eine Verbindungstür einzubauen, die heute niemand mehr benutzt, zerstörte man nicht nur den wunderbaren Raum der einstigen Waage, Mehlsack genannt, sondern auch eine einmalig bedeutsame alte Treppe. Die barocke Tür und der Altan im Obergeschoss wurden auf der Müllhalde entsorgt.

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Ebenso falsch war es in Kronberg die einstige Ziegelhütte abreißen zu lassen, nur weil das Geld in die Kasse brachte. Jetzt wird dort, glaube ich, ein nichtsagender neuer „Kommerz Tempel“ gebaut. Allerdings sei hier lobend erwähnt, dass die Kronberger Altstadt wunderbar gepflegt und erhalten wurde und auch das Hotel Adler, wenn auch mit kleinen Mängeln, denkmalgerecht saniert wurde.  Gemeinsam Denkmale erhalten hat aber in einem Fall auch in Königstein gut geklappt.

Die Sanierung des Hauses der Begegnung  war allerdings finanziell ein harter Brocken, aber mit Beteiligung der Bürger wurde der Erhalt durchgesetzt. Zwar haben viele das Bürgerbegehren eher für den Erhalt des „Vereinshauses“ unterschrieben und den Denkmalgedanken außer Acht gelassen. Viele haben auch dieses Haus nicht als sonderlich „schön“ empfunden.

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Ein Denkmal muss aber nicht „schön“ sein.

Entscheidend ist seine Einmaligkeit, dass es Zeugnis gibt über einen vorüber gegangenen Zeitgeist. Im Haus der Begegnung ist es die Zeit der Nachkriegsjahre.

Wie auch die Geschichte der Gefangenen auf der Burg erzählt auch das Haus der Begegnung eine „Geschichte“. Als Pater Werenfried von Straaten und viele Bürger Königsteins sich der Flüchtlinge annahmen und die Kapellenwagen mit Hilfsgütern in den Osten fuhren. Diese immateriellen Gegebenheiten sollten in Form von Infotafeln oder kleinen Broschüren unmittelbar am Denkmal zu lesen sein. Das kann man auf der Burg genauso gut durchführen.

Mit der neuen Stauferstele  auf der Burg wollte man zwar auch ihre immaterielle Geschichte darstellen, aber leider hat man beim Text erheblich gepfuscht. Die Burg ist z. B. viel älter als dies mit dem angeblichen Erbauer Cuno I. von Münzenberg behauptet wird. Hätte man hier nach dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“ kenntnisreiche Bürger einbezogen, wäre das nicht passiert. Rudolf Krönke hat mit Recht darüber schwer geschimpft.

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Unser jüngstes Königsteiner Denkmal Kurbad , Bild11.jpg

ist ein besonders heikles Objekt. Dass das spektakuläre Hallenbad 2013 unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist der originellen Gestaltung des anerkannten Künstlers Otto Herbert Hajek und der typischen Bauweise einer sehr kurzen Architektur-Epoche zu verdanken. Unser Bürgermeister soll ziemlich sauer gewesen sein, dass es unter Denkmalschutz gestellt wurde. Aber die blauen Umkleidekabinen, der wunderbar gestaltete Beton werden in jedem Fall bleiben. Auch der Farbschmuck und die runden Lampen Bild13.jpg

Ob man die Farbgebung mag oder nicht, spielt keine Rolle, das Bad ist aus kunsthistorischer Sicht einzigartig.

 

Die Website des Kurbades ist in dieser Hinsicht ziemlich dürftig aufgestellt. Kein einziger Hinweis, dass das Bad ein Denkmal ist. Von innen wird nur ein verzerrtes Weitwinkelbild gezeigt, und in den weiteren Abbildungen sieht man Königsteiner Bürger lustig im Wasser planschen. Es gibt noch nicht einmal ein Bild über den Ausblick auf die Burg und die Wälder des Taunus. Die notwendigen Fotos stehen der Kur GmbH, bzw. dem Kurbad seit über zwei Jahren zur Verfügung. Auch der Förderverein Kurbad e.V. notiert in seiner Satzung mit keiner Silbe den Denkmalaspekt.

 

Aber es geht beim Thema Denkmalschutz auch um Geld, manchmal um viel Geld.

sei es zur Sicherung der Bauten und Bodendenkmale, oder Sanierung oder für Umbauten, sei es Denkmale in privater wie auch in öffentlicher Hand. Für die Sanierung der Burg fehlt es an Geld, ebenso für das Kurbad oder für schützenswerte Kulturlandschaften wie Wanderwege, für den Höhenbach oder das Woogtal (Bild 13). Niemand hat notwendige Rücklagen gebildet um diese Kulturgüter zu pflegen und zu sichern.

Manchmal opfert man auch einfach seltene Orchideen-Wiesen oder will den Philosophenweg durch den Opel-Zoo sperren, weil man die Fläche braucht.Hier geht zugunsten eines ständig wachsenden Zoos, der letztlich überall stehen kann, wertvolle Kulturlandschaft verloren.Bild15.jpg

 

 

Wie könnte man nun für die Denkmalpflege das notwendige Geld beschaffen?

Für die bauliche Sicherung von Eigentumswohnungen gibt es z. B. gesetzlich fest geschriebene, in der Höhe frei zu wählende Rücklagen, die der Eigentümer monatlich zu entrichten hat.

 

Ein solches Modell zur Finanzierung der Sicherung eines Denkmals, egal ob im privaten oder öffentlichen Besitz könnte einen wirksamen Denkmalschutz erheblich verbessern. Die Bildung eines Denkmal-Fonds wurde immer mal wieder von der Politik ins Gespräch gebracht, jedoch von der Immobilienlobby verhindert. Ein solcher Fonds oder Versicherung könnte damit verbunden werden, dass Denkmaleigentümer preiswerte Kredite oder Zuschüsse über die KfW erhalten. Man könnte auch bundesweit einen „Denkmalsoli“ einführen. Auch eine spezielle Grundsteuer, die jede Kommune festlegen kann, wäre eine Möglichkeit, die Finanzierung von Kulturgut zu sichern. Das würde allerdings in Königstein vermutlich einen Aufstand herbeiführen.

 

Warum nun das Motto: Gemeinsam Denkmale erhalten?

 

Viele Bürger meinen, es sei, besonders für private Eigentümer unzumutbar, ein Denkmal zu erhalten. Das sei einfach zu teuer. Diese Argumente gelten allerdings nicht für alte Burgen, großartige Villen oder alte Schlösser. Diese Denkmale werden mit kommunalen, Bundes-, oder Landesgeldern gesichert. Dazu gehören auch Denkmale, an denen Blutzoll klebt, wie das Nürnberger Reichsparteitagsgelände. Auch diese Denkmale dienen trotz ihrer düsteren Entstehungsgeschichten der Erinnerung beziehungsweise der Mahnung.

 

Der gleiche Denkmalschutz sollte aber auch für kleine, oft unscheinbare Gebäude gelten. Auch sie erzählen Geschichten, z. B. die Wohnhäuser für die französischen Offiziere in der Stresemannstraße 1921,Bild17.jpg

 

 Oder die 1927 als städtische Wohnsiedlung erbauten Häuser in der Thewaltstraße . Sie zeigen gesellschaftspolitische Haltungen, die bis heute eine wesentliche Bedeutung haben, z. B. für den bezahlbaren öffentlichen Wohnungsbau.Bild16.jpg Viele schützenswerte Häuser in Königstein fielen auch in den letzten Monaten wieder dem schnöden Mammon zum Opfer. Jüngstes Beispiel ist der zur Thewaltstraße gehörenden Bau Frankfurter Straße 22.Man vergaß ganz einfach das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Jetzt steht dort ein nichtsagender Klotz.Das Gelände ist höchst effizient ausgenutzt und verspricht dem Bauherrn eine hohe Rendite.

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Noch schlimmer ist man mit dem einstigen Gäste- und Wohnhaus in der Limburger Straße 20 verfahren. Das Haus hat bereits den Namen „Staatssicherheitstrakt“ erhalten. Hier haben die Bauherrn aus purem Gewinnstreben und zum Schaden Königsteins ohne jedes Stilempfinden zugeschlagen.

 Bild19.jpgIch möchte nicht wissen, wie viele alte Häuser Königsteins in den kommenden Jahren noch den Renditegelüsten fragwürdiger Investoren und Alteigentümer zum Opfer fallen. Hier muss schnellstens für den Schutz alter Baukultur gesorgt werden. Dazu muss die Gestaltungssatzung der Altstadt dringend überarbeitet werden, ebenso wie etliche Bebauungspläne einer Runderneuerung bedürfen.

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Gemeinsam Denkmale erhalten ist also ein dringender Appell. Das gilt für die Politik ebenso wie für die Bürger und auch für die Vereine. Es kann nicht sein, dass ein Königsteiner Verein, der sich „Denkmalpflege Königstein e.V.“ nennt, nichts gegen den drohenden Abriss oder die Zerstörung von Kulturgut unternimmt. Für den Schutz historisch wichtiger Bauten, egal ob öffentlich oder privat ist an dieser Stelle unbedingt ein lautes Engagement angesagt.

 

Der Appell „Gemeinsam Denkmale erhalten“ dient dem Schutz unseres Erinnerungsvermögens wie es das Hessische Denkmalschutzgesetz vorschreibt und ist eine Aufforderung an die Politik, an die Vereine und an uns Bürger!

Es heißt zu recht nicht nur ge-mein!-sam“ sondern auch „Denk!-mal“ Das betrifft unser Denken und Handeln zur Sicherung von Bau- und Bodendenkmale, das betrifft den Schutz unserer Kulturlandschaften und ihrer Geschichten über unsere Geschichte.

Vortrag Gaby Klempert 10. September 2016